Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: Der 7. August 2024. Der Abend, an dem unsere drei Taylor‑Swift‑Konzerte in Wien abgesagt wurden. Ich erinnere mich nur zu gut daran, dass ich gerade dabei war, alles für den ersten Tag (8. August 2024) vorzubereiten. Ich war am Tag der Absage glücklicherweise noch beim Ernst-Happel-Stadion und habe mir Merch besorgt. Ich hatte Tickets für alle drei Tage – die ich mir wirklich hart erkämpft hatte – und war bereit die Konzerte aus drei unterschiedlichen Perspektiven zu sehen: Stehplatz, Sitzplatz und Front of Stage. Ich war bereit für mein ganz persönliches Eras-Wochenende. Drei Konzerte. Drei Perspektiven. Drei Mal Gänsehaut.
Die große Freude bevor der Traum platze
Ich konnte bis dahin noch immer nicht fassen, dass ich es wirklich geschafft habe, für alle drei Konzerte Tickets bekommen zu haben. Das eine hatte ich schon über ein Jahr und die anderen habe ich durch meine absolute Hartnäckigkeit bekommen. Ich hab ständig geschaut, ob es nicht doch noch einen Ticket-Drop gibt und siehe da, es gab ihn. Und ich hab habe zugeschlagen! Eventuell sind hier auch ein paar Freudetränchen geflossen.
Zurück zum 7. August 2024. Ich war wie gesagt gerade dabei, alles für den nächsten Tag vorzubereiten: Tasche packen, mein erstes Outfit aussuchen und noch ein paar Freundschaftsarmbänder knüpfen. Dann war ich kurz auf Instagram und hab schon die ersten Gerüchte gelesen, dass es einen Terrorverdacht gibt. Ich konnte das alles noch nicht ernst nehmen und war noch euphorisch. Wird schon alles gut gehen. Dann kam diese Nachricht:
Es war 21:43. Ich hab die Nachricht der Absage als eine der Ersten gesehen – der Post war gerade einmal 5 Minuten online. Und konnte es nicht fassen. Sofort habe ich die Nachricht einer Freundin geschickt. Ich weiß noch, wie mein Herz kurz stillstand. Wie mir die Tränen in die Augen schossen. Ich saß einfach da. Leer. Wütend. Fassungslos. Warum ausgerechnet wir? Warum unsere Konzerte? In der Sekunde zerbrach für mich ein Stück Welt. Und es war nicht nur meins – es war das kollektive Herz von tausenden Swifties, die genauso tief drin waren wie ich.
➤ Hier liest du, was ich über die Absage der Taylor Swift Konzerte geschrieben haben: Die Absage der Taylor-Swift-Konzerte in Wien: Ein Anschlag gegen die weibliche Freude und auch ein Akt des Frauenhasses
Der Tag nach der Absage: irgendwo zwischen Wut, Traurigkeit und Gemeinschaft
Am Tag danach sah ich meine Kleider auf der Kleiderstange hängen. Und wusste: Ich werde sie nie zur Eras Tour tragen. Ich werde nie zur Bridge von „Cruel Summer“ schreien. Nie wissen, welche Surprise Songs Taylor für Wien geplant hatte. Nie erfahren, welche Outfits sie getragen hätte. Ich werde nicht mit Glücksgefühlen nach dem Konzert nachhause gehen.
Traurigkeit überkam mich und ich wusste, dass ich nicht zuhause bleiben kann und möchte. Ich hatte mir extra die Tage freigenommen, damit ich mich voll und ganz auf die Konzerte konzentrieren konnte. Da ich aber nicht alleine sein wollte, bin ich ins Büro zu einer Kollegin gefahren, mit der ich einen Tag gemeinsam auf das Konzert gegangen wäre. Am Weg hin bin ich schon einigen Swifties begegnet und wir haben Freundschaftsbänder getauscht und uns Trost zugesprochen. Es war so schön dieses Gemeinsamkeitsgefühl mit Fremden zu erleben.

Im Büro trösteten wir uns gegenseitig. Wir hörten die Nachrichten. Und je mehr Details ans Licht kamen, desto realer wurde das alles. Die Gefahr war konkret. Drei Männer mit Anschlagsplänen, Verbindungen zur Terrormiliz IS. Sie hatten ganz Furchtbares geplant. Zwischen all der Trauer kam auch Dankbarkeit auf, dass nichts Schlimmes passiert ist.
Taylor war zu dem Zeitpunkt sogar bereits in Wien – flog aber in derselben Nacht zurück in die USA. Und ehrlich? Ich kann es ihr nicht verdenken. Fans wissen, dass es eine ihrer größten Ängste war und ist, dass genau sowas bei einer ihren Konzerten passiert. In einem Interview mit dem Elle-Magazin erklärte sie: „My biggest fear. After the Manchester Arena bombing and the Vegas concert shooting, I was completely terrified to go on tour this time because I didn’t know how we were going to keep 3 million fans safe over seven months.“
Swifties halten in Wien zusammen: Eras Tour – Vienna Version
Durch einen Zufall entdeckte ich auf TikTok, dass sich einige Swifties in der Stadt treffen werden. Kurzerhand bin ich hin und war überrascht, wie viele Swifties sich versammelt hatten. Gemeinsam sangen wir auf den Straßen, tauschten Freundschaftsarmbänder, spendeten uns Trost und waren gemeinsam wütend. Wir haben Wien für drei Tage zu einem besseren Ort gemacht. Ich bin überzeugt davon. Und trotzdem war da etwas, das gefehlt hat: Ein Wort von Taylor. Ein Statement von ihrem Team. Bis heute kam nicht wirklich etwas – außer ein Instagram-Post nach den London Shows.
Die drei Tage in Wien zeigten aber, dass WIR zusammenhalten und, dass wir uns auf gar keinen Fall die Freude nehmen lassen. Ganz im Gegenteil: wir teilen die Freude mit allen auf den Straßen. Gefühlt war ganz Wien im Swiftie-Fieber und ich hab’s geliebt. Es hat geholfen die Wunden zu heilen. Und für alle, die das übertrieben finden und gefunden habe, habe ich nur einen Satz: Shut the fuck up.

Meine Gefühle: Wut. Schmerz. Aber auch Stolz.
Wut auf die Männer, die uns das genommen haben. Die uns – vor allem FLINTA*-Personen – wieder einmal einen Safe Space genommen haben. Denn das war die Eras Tour für viele: ein sicherer Ort. Ein Ort der Freude, der Freiheit, der Selbstentfaltung. Und ja, auch ein Ort des Glitzers.
➤ Das Taylor-Swift-Phänomen: Warum ist die Eras Tour so beliebt?
Stolz, dass wir nicht zerbrochen sind. Dass wir weitergetanzt haben. Dass wir gezeigt haben, dass Freude politisch sein kann – und dass wir sie uns nicht nehmen lassen.
Die Tage danach waren hart – da bin ich ehrlich. Ich hab mich leer gefüllt. Da freut man sich über ein Jahr auf etwas und dann wird es einem kurz davor von drei Idioten genommen. Wie soll man sich da schon fühlen?! Mir war in diesem Moment klar: Ich werde einfach niemals die Eras Tour in Wien erleben. Natürlich hab ich in Erwägung gezogen noch irgendwie Tickets für London zu kaufen, aber die Preise waren leider insane.
Ein Jahr später und ich bin noch immer nicht ganz darüber hinweg. Manchmal fühlt es sich so an, als ob die Konzerte noch passieren würden. Aber das werden sie nicht. Natürlich bin ich froh, dass niemanden etwas passiert ist und dass wir „nur“ Konzerten hinterher trauern und nicht Menschen. Trotzdem fühlt es sich mies an. Wirklich mies.
Vienna you are the loss of my life!
Ich kann euch aber verraten, dass ich es noch auf das Taylor Swift Konzert geschafft habe – das erzähle ich aber in einem anderen Beitrag.





