Taylor Swift ist längst mehr als nur ein Popstar – sie ist ein eigenes Swiftversum. In funkelnden Outfits, Stadien voller Fans, die eher Erdbeben auslösen als nur Applaus, hat sie in den letzten Jahren alles erreicht, was man erreichen kann.

Rekorde brechen? Check. Ganze Stadien (mehrmals) füllen? Check. Innerhalb von fünf Jahren ein Werk nach dem anderen rausballern, für das andere Karrieren brauchen? Ebenfalls check. Und trotzdem wirkt es so, als würde sie mit jedem Album noch eine Stufe höher klettern.

Neues Meisterwerk: „The Life of a Showgirl“

Gerade als man dachte: „Okay, höher geht wirklich nicht mehr“, legt Taylor Swift noch einen drauf. Und nun war es soweit, denn es ist wohl DAS Album das Jahres erschienen. Schon weit vor der Veröffentlichung wurde es enorm gehyped. Taylor Swift weiß, wie man Erwartungen sprengt. Nach ihrem letzten Album und lyrischen Meisterwerk „The Tortured Poets Department“ liefert sie mit „The Life of a Showgirl“ ihr mittlerweile zwölftes Studioalbum – und brach bereits vor Veröffentlichung Rekorde.

Produziert unter anderem von Max Martin und Shellback, die auch bereits in der Vergangenheit sehr erfolgreich mit Taylor zusammengearbeitet haben – auf „Reputation“, „Red“ und „1989“. Das neue Album erschien am 3. Oktober 2025, brach sofort Streaming-Rekorde und bewies erneut: Taylor spielt längst in ihrer eigenen Liga. Side Note: Fast niemand veröffentlichte an diesem Tag ein neues Album – das ist wohl der Taylor Swift Effect.

Doch so glamourös der Titel klingt, es geht hier nicht nur um Glitzer und Show. „TLOAS“ erzählt von der Bühne als Spiegel des Lebens – und von dem Spagat zwischen öffentlicher Rolle und privater Wahrheit. Mal ironisch, mal verletzlich, mal knallhart. Es geht um das Leben eines Showgirls und nicht um das Showgirl an sich – das versteht man erst, wenn man das Album öfters hört.

Das Album ist übrigens während der Eras-Tour 2024 in Schweden entstanden. Passender hätte es gar nicht sein können, denn zu der Zeit hat sie das Lebens eines Showgirls gelebt. „It felt like I was so physically exhausted from the shows but being mentally and emotionally stimulated by making this music got me to the point where I was so excited to step back onstage because I knew there was this secret project I was working on“, so Taylor Swift im Interview mit Heart Radio.

Queen of Promo und Easter Eggs

Taylor und ihr Team wissen, wie man ein Album vermarktet. Nicht umsonst wurde es bereits ein Monat vor Veröffentlichung über 5 Millionen Mal gepresaved. Es gab gefühlt hunderte Countdowns und einige Special Vinyl Drops – und die Fans liebten es. Mir persönlich war es jedoch etwas zu viel. Zu viel Countdowns – hier hat Taylors Team in meinen Augen übertrieben.

Auch Easter Eggs wurden selbstverständlich wieder gesucht und gefunden. Wir sind uns wohl alle einig, dass die Eras Tour das allergrößte Easter Egg für dieses Album war. Angefangen von der Bühne (Schlüssel) über die Farben ihrer Outfits bei der 1989 Era bis zum Set von „TTPD“, wo Taylor bereits ein Showgirl gespielt hat. Ist euch auch aufgefallen, dass die Setlist von „TLOAS“ ziemlich genau die Umrisse der Eras Tour Stage zeigen?

Aber. Halt. Stopp. Kann es sein, dass Blondie uns bereits seit Jahren versucht mitzuteilen, was sie vor hat(te)?! Es gibt scheinbar seit Jahren einige Hints vor allem in Musikvideos wie „Anti Hero“ und „Bejeweled“. She is a mastermind. Mehr fällt mir dazu eigentlich auch gar nicht mehr ein.

@jonathanmillermusic

Just putting a mark in this before we continue. 📍 #taylorswift #swifttok #ts12 #TSTheLifeofaShowgirl #swiftie @Taylor Swift @Taylor Nation

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Und wie klingt nun „TLOAS“?

Schon beim ersten Track „The Fate of Ophelia“, welcher auch offiziell die Leadsingle ist, wird klar, wo die Reise hingeht: wir sind zurück im grandiosen Synth-Pop. Das Album ist schillernd, mutig, manchmal drüber, aber genau deswegen so spannend.

Wo „The Tortured Poets Department“ noch nach Diary klang, kommt hier der volle Broadway-Moment: knallige Pop-Banger wie „CANCELLED!“ oder „Wi$h Li$t“, die sofort ins Ohr gehen, treffen auf ruhigere Stücke wie „Eldest Daughter“ (Track Nummer 5 – immer ihr emotionalster Song auf dem Album), das mit seiner Ehrlichkeit unter die Haut geht. „Honey“, „Wood“ und „Opalite“ zeigen außerdem, dass Swift ihre verletzliche Seite nie ganz ablegt – sie verpackt sie nur diesmal in mehr Glitzer und Selbstbewusstsein. Alle Pop-Mäuse dürften glücklich sein. Ich bin’s! Ich bereue es auch auf keinen Fall, Vinyls gekauft zu haben, ohne auch nur annährend zu wissen, wie dieses Album klingen würde.

Das Spannende: Das Album erschließt sich nicht sofort. Manche Songs wirken beim ersten Hören fast überladen, aber genau das macht den Reiz aus – es ist ein Werk, das man öfter hören muss, um wirklich alles zu entdecken. Und spätestens beim dritten Durchlauf wird klar: Taylor hat hier eine knallige, clever produzierte Pop-Platte hingelegt, die keine Angst hat, groß, bunt und ein bisschen over the top zu sein.

Ja, das hier ist kein lyrisches Masterpiece wie „TTPD“. Und ja, diesmal gibt es keine 31 Songs, die nach absolutem Heartbreak schreien – und das ist okay. Kein Wunder also, dass sich „The Life of a Showgirl“ so anders anfühlt. Wo „TTPD“ noch schwer, lyrisch und fast schon erdrückend wirkte, kommt „TLOAS“ wie eine Befreiung daher: zwölf Songs, schrill, voller Energie und Lust auf Drama. Taylor selbst hat es ja schon im Eras Tourbook geschrieben – sie hasst es, sich zu wiederholen. Und diesmal beweist sie, dass sie nicht nur gekonnt zwischen Genres wechseln, sondern gleich eine ganze Era neu erfinden kann. Again.

Meine Favoriten? Ganz klar „CANCELLED!“ – bissig, triumphal, eine Abrechnung mit toxischen Narrative. Und auch „Actually Romantic“ ist ein bisschen nasty. I love it – I’m a Rep-Girl. Und „Wi$h Li$t“, clever und verspielt, gleichzeitig verletzlich. Banger, die ich seit Stunden in Dauerschleife höre.

The Official Release Party of Showgirl

Achtung – kleiner Spoileralarm! Ich war gestern (3. Oktober 2025) schon im Kino und kann euch sagen: Das Film-Event ist im Grunde eine Listening Session, in der Taylor Song für Song erklärt, worum es geht – ein bisschen wie eine Secret Session, nur diesmal zeitgleich in Kinos auf der ganzen Welt. Es war unfassbar spannend, in ihren Kopf reinzuschauen – ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon, wie reflektiert und leidenschaftlich sie über ihre Musik spricht.

Außerdem durften wir exklusiv – und vermutlich als eine der Ersten überhaupt – das Musikvideo zu „The Fate of Ophelia“ sehen. Ihr werdet es lieben! Der ganze Saal hat’s gefeiert – auch, weil die Eras-Tour-Crew Teil des Videos ist, was einen wunderschönen, runden Bogen über das gesamte Projekt spannt.

Besonders spannend waren die Behind-the-Scenes-Momente vom Videodreh: zu sehen, wie Taylor arbeitet, Regie führt und mit welcher Klarheit und Leidenschaft sie Anweisungen gibt, zeigt einmal mehr, dass sie längst mehr ist als eine Singer-Songwriterin – sie ist eine komplette Künstlerin, die jedes Detail ihrer Vision selbst gestaltet.

Taylor verrät außerdem, dass „Honey“ der erste Song war, den sie für das Album produziert hat. In dem Track geht es darum, wie Worte, die dir früher wehgetan haben, plötzlich eine völlig neue Bedeutung bekommen – wenn sie von jemandem kommen, der dich wirklich liebt. Und ja, Taylor ist mutiger denn je in ihren Texten – besonders in „Actually Romantic“.

„I heard you call me ‘Boring Barbie’ when the coke’s got you brave. High-fived my ex and then you said you’re glad he ghosted me. Wrote me a song saying it makes you sick to see my face. Some people might be offended.”

Wie immer gibt es auch einige Fan-Theorien. Einige Fans spekulieren, Taylor reagiere mit „Actually Romantic“ auf Charli XCX, insbesondere auf deren Song „Sympathy Is a Knife“ aus „Brat“. Im Film bestätigte Taylor nicht, dass der Song um Charli XCX geht, aber sie sagt: “sort of a love letter to someone who hates you.”

Besonders schön an der Release Party fand ich den Aufbau des Films. Gleich zu Beginn erschien die ikonische Eras Tour Clock, gefolgt von einer persönlichen Intro-Message von Taylor selbst – und ab da war klar: das wird kein gewöhnliches Kinoerlebnis.

Danach wurde das Musikvideo zu „The Fate of Ophelia“ gezeigt, bevor es in einen spannenden Wechsel aus Songbesprechungen und exklusiven Behind-the-Scenes-Momenten ging. Man hatte wirklich das Gefühl, Taylor in ihrem kreativen Prozess über die Schulter zu schauen. Ganz am Ende lief das Video dann noch einmal – und plötzlich ergaben viele Details Sinn. Natürlich wurden auch fleißig Easter Eggs gespottet (Swifties, you know the drill).

Outro „The official Release of a Showgirl“

Und Swifties, wir müssen jetzt ganz stark sein: Taylor hat in einem Interview mit der BBC verraten, dass sie so schnell wohl nicht wieder auf Tour gehen wird.

I’m so tired, like, when I think about doing it again. I want to do it really well again.“

Und ganz ehrlich? Das ist völlig okay. Wir haben jetzt zwölf neue Songs, hunderte Easter Eggs zu entschlüsseln – und wer weiß schon, was Taylor und ihr Team als Nächstes aus dem Hut zaubern. Eines ist sicher: Uns wird garantiert nicht langweilig. Auch ganz ohne Ticket War.

Und das ist ganz bestimmt kein Abschied, sondern einfach nur eine kleine Atempause. Denn Taylor gibt uns am Ende des Albums selbst einen kleinen Wink: Im letzten Song mit Sabrina Carpenter, „The Life of a Showgirl“, sind im Outro Snippets von der Tour zu hören – ihre Stimme sagt:

„Thank you for an unforgettable night. We will see you next time.“

Na, wenn das kein Versprechen ist.

Titelbild © Taylor Swift | Mert Alas & Marcus Piggot | Spotify


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