Mein TikTok-Feed spült mir Allie Sherlock seit Jahren verlässlich auf den Schirm. Doch auf meiner Playlist landeten ihre Songs trotzdem irgendwie nie. Als sie am 5. Oktober im fast ausverkauften Wiener Flex auf der Bühne stand, ging ich so unvorbereitet wie selten zuvor in den Abend – keine Setlist einstudiert, keine Texte gelernt, einfach nur die reine Neugier auf ein in meinen Augen Ausnahmetalent.
Nachdem ein geplanter Konzertbesuch 2025 aus gesundheitlichen Gründen ins Wasser gefallen war, hat es gegen Ende ihrer diesjährigen Europatournee nun endlich geklappt.
Isaac Frank eröffnete den Abend
Dass Support-Acts den Vibe eines Abends tragen statt stören, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Isaac Frank erwies sich vor der Kulisse des sich füllenden Flex allerdings als absoluter Volltreffer. Mit einer bemerkenswert warmen, starken Stimme zog der Brite die Menge von Minute eins an auf seine Seite. Völlig unaufgeregt, stimmlich souverän und die ideale Einstimmung auf den Sound des Abends.
Pure Gesangsgewalt ohne Ablenkung
Als Allie Sherlock schließlich die Bühne betrat, brauchte sie weder spektakuläre Visuals noch ein großes Drumherum: Ihre Stimme füllte das Flex vom ersten Akkord an komplett aus. Es passierte genau das, worauf ich gehofft hatte – diese raue Präsenz, die man aus ihren viralen Videos kennt, funktioniert live im Club ohne Filter sogar noch besser. Ich war gefangen von ihrer Stimme und Präsenz.
Die Atmosphäre blieb über das gesamte Set hinweg extrem entspannt. Allie plauderte nahbar, wirkte durchweg sympathisch und wechselte mühelos zwischen gefühlvollen Momenten und schnelleren Songs. Während das Publikum bei ihren bekannten Cover-Interpretationen jede Note feierte, sorgte ihre Stimmkontrolle immer wieder für echte Wow-Momente im Raum.
Der Haken: Das Dilemma mit den eigenen Songs
Bei aller Faszination für ihr Talent trat im Laufe des Sets jedoch ein klares Muster zutage: So überragend Allie fremdes Material zu ihrem eigenen macht, so blass bleiben viele ihrer eigenen Songs im direkten Vergleich. Den eigenen Stücken fehlt für mich irgendwie die Eingängigkeit, die einen Track dauerhaft im Kopf verankern. Es ist fast schon paradox: Eine Künstlerin mit dieser stimmlichen Urgewalt müsste längst die großen Hallen füllen – ihr Repertoire hält mit ihren sängerischen Fähigkeiten aber noch nicht ganz Schritt. Schade eigentlich.
Mein Fazit zu Allie Sherlock
Kein Hit-Gewitter, dafür ein handgemachter, ehrlicher Konzertabend. Allie Sherlock hat im Wiener Flex bewiesen, dass hinter dem Social-Media-Hype eine handfeste Live-Musikerin mit einer Ausnahmestimme steckt. Wer akustische Reduktion und großes Gesangshandwerk schätzt, kommt bei ihr auf seine Kosten.





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