Wer am vergangenen Donnerstagabend (9.7.) die U6 bei der Burggasse verließ, brauchte keinen Kompass, um zur Wiener Stadthalle zu finden. Man musste einfach nur dem bunten Strom aus Glitzer, weiten Cargo-Hosen und natürlich jeder Menge Nina-Chuba-Merch folgen. Dass die Halle D bis auf den allerletzten Platz ausverkauft war, überrascht bei dem anhaltenden Hype um Nina Chuba kaum jemanden mehr. Was den Abend jedoch wirklich besonders machte, war die bemerkenswerte, fast greifbare Energie im Raum.

Generationen-Treffen: Von jung bis alt – alle feiern Nina

Selten sieht man bei einem Pop-Event dieser Größenordnung ein so herrlich gemischtes Publikum. Da waren einerseits die unzähligen Kinder und Teenager, die mit leuchtenden Augen und selbstgemalten Plakaten in den vorderen Reihen standen. Flankiert wurden sie von ihren Eltern – wobei erstaunlich viele Papas gesichtet wurden –, die anfangs vielleicht noch behaupteten, nur als Aufsichtspersonen hier zu sein. Spätestens beim dritten Song sangen aber auch sie absolut textsicher mit. Und mittendrin tummelten sich natürlich wir Millennials – mich definitiv eingeschlossen! –, die weder Glitzerplakate hielten noch irgendeine Aufsichtspflicht hatten, sondern sich einfach nur wahnsinnig auf diesen Abend, die fetten Beats und ein bisschen musikalische Alltagsflucht freuten. Es ist wirklich schön zu sehen, wie Ninas Musik hier alle Generationen so mühelos zusammenbringt.

Drums, Bläser und Choreo: Eine Show, die sich sehen lassen kann

Eröffnet wurde die Show von Dani Lia. Die österreichische Sängerin hatte leichtes Spiel mit der Crowd, denn das Publikum hatte ab der ersten Sekunde richtig Bock auf diesen Abend. Nach einem packenden Intro war es dann endlich so weit: Nina Chuba betrat mit ihrem Song „NINA“ die Bühne.

Man merkte ihr in jeder Sekunde an, dass sie wahnsinnig gut drauf war. Das Schöne an ihr ist einfach, dass es nie wie ein einstudiertes, steriles PR-Lächeln wirkt. Nina Chuba ist live schlichtweg ultra sympathisch. Sie inszeniert sich nicht als unnahbarer Popstar, sondern wirkt vielmehr wie die coole große Schwester, mit der man nach der Schule auf dem Randstein sitzt, um unbeschwert über das Leben zu quatschen. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst, scherzt gut gelaunt mit der Crowd und bringt eine Natürlichkeit auf die Bühne, die im oft durchgetakteten Musikbusiness rar geworden ist. Ich feiere das sehr.

Hinzu kommt der Fakt, dass Nina Chuba live einfach unfassbar gut abliefert. Nicht nur ihre unverkennbare Stimme geht unter die Haut, sondern auch ihre Dancemoves beeindrucken enorm. Unterstützt wird sie dabei von ihrer fantastischen Live-Band, in der auffallend viele Frauen an den Instrumenten sitzen. (Yes, yes, yes!) Zusammen begeisterten sie die Halle mit einem gut gemixten Sound aus Drums, Gitarren und Bläsern.

Club-Hymnen mit Tiefgang: Wo weibliche Wut auf Verletzlichkeit trifft

Und genau hier passierte die eigentliche Magie dieses Konzerts: Das Faszinierende an Nina Chuba ist nämlich, dass selbst ihre rasantesten Club-Banger und schnellsten Lieder eine gewisse Tiefe entfalten. Wenn sie neue Tracks wie „Unsicher“, „Fucked Up“ oder das herrlich wütende „Rage Girl“ (von ihrem mit Spannung erwarteten neuen Album „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“) in die Menge schmettert, geht es eben nicht nur um den Bass. Zwischen all der lauten Coolness und der weiblichen Wut blitzt immer wieder eine ehrliche, raue Verletzlichkeit durch, die einfach allen mitten ins Herz trifft. Ihre Texte erzählen ehrliche und nachvollziehbare Geschichten, die jede*r irgendwie nachfühlen kann. Da wurde dann in der Menge auch das ein oder andere Tränchen verdrückt.

Bei den schnelleren Songs blieben folgerichtig auch die Sitzränge nicht lange still. Die gesamte Halle verwandelte sich in eine erweiterte Tanzfläche. Spätestens bei „Ich hass dich“ saß wohl absolut niemand mehr auf den Stühlen.

Ein überwältigtes Finale und viele glückliche Fans

Man spürte förmlich, wie Nina Chuba von der massiven Liebe und dem ohrenbetäubenden Jubel der rund 16.000 Fans in Wien regelrecht überwältigt wurde. Immer wieder hielt sie zwischen den Songs inne, blickte fast schon fassungslos in das glitzernde Lichtermeer der Stadthalle und genoss sichtlich den Augenblick.

Auch ich habe das Konzert extrem genossen. Obwohl ich sie schon einmal live im intimeren Rahmen des Gasometers erleben durfte, hat die Stadthalle gezeigt: Nina Chuba ist definitiv eine Künstlerin, für die ich mir immer wieder ein Ticket kaufen würde. Und ich bin mir sicher, dass es vielen anderen an diesem Abend genau so ging – aus der Halle strömten jedenfalls nur glückliche, verschwitzte und lächelnde Gesichter in die Wiener Nacht.

Beitragsbild: (c) Jennifer Hauska


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